Felicia wohnt in Aachen, ist 29 Jahre alt, hat letztes Jahr ihren Master in Wirtschaftsingenieurwesen abgeschlossen und sich dann mit einem Online Concept Store für Vintage Lifestyle-Accessoires in die Selbstständigkeit gestürzt. Wenn Felicia nicht gerade auf Flohmärkten nach neuen Liebhaberstücken für ihren Shop felinevintage.com sucht, restauriert und repariert sie liebevoll defekte Fundstücke und gibt ihnen wieder neues Leben. Nebenher engagiert sie sich ehrenamtlich für den Bundesverband deutsche Startups e.V. und setzt sich unter anderem für bessere Startup-Bedingungen in NRW ein.

1. Mit welcher Idee hast du dich selbstständig gemacht und was war deine Motivation? 

Tatsächlich habe ich bereits 2016 mit felinevintage.com als Hobby angefangen. Neben dem trockenen Ingenieursstudium suchte ich einen Ausgleich, der mich mich wirklich erfüllt. Schon als kleines Kind bin ich mit meiner Mutter über Flohmärkte und Antiquitätenmessen gestreift, um Jagd auf die außergewöhnlichsten Vintage-Objekte zu machen. Viele Fundstücke sind echte Vintage Designklassiker und haben damals in meiner Studentenbude dafür gesorgt, dass Freunde und Bekannte gerne bei mir zu Gast waren und mich stets auf die neuesten Stücke angesprochen haben. Nachdem ich hin und wieder Objekte aus meiner eigenen Sammlung an liebe Menschen in meinem Umfeld verkauft habe, kam ich auf die Idee, meinen eigenen kleinen Online-Shop zu gründen und Vintageliebhaber in ganz Deutschland zu erreichen. Mittlerweile ist FELINE VINTAGE vor allem auf Schmuck und Wohnaccessoires der 1940er bis 1990er Jahre spezialisiert und neben dem Onlineshop auch in Museumsshops und ausgewählten Boutiquen vertreten. Wir freuen uns darauf ab Herbst mit dem Online-Shop endlich auch international verkaufen zu können. Das ist für uns ein großer Schritt, der insbesondere im letzten Jahr nicht einfach zu erreichen war.

2. Hast du auf Risiko oder Sicherheit gesetzt – also gleich Vollzeit oder zuerst Nebenerwerb?

Ich habe mich zum Gründungszeitpunkt noch im Studium befunden und hatte so eine recht große Flexibilität. Trotzdem gab es auch für mich gewisse Risiken. Dadurch war ich während meines Masters orts- und zeitgebunden, das heißt ich bin nicht wie so viele Kommilitonen ins Ausland gegangen zum Studieren oder für spannende Praktika. Nach dem Studium kam dann die Angst , dass ich (falls die Geschäftsidee nicht funktioniert) unter Umständen keinen Job finden würde. Im technischen Bereich hatte ich zu wenig Berufserfahrung und bei anderen Jobs bestand die Gefahr, dass man mich nicht Ernst nehmen würde, weil ich eine komplett andere Richtung studiert habe. Trotzdem habe ich mich letzten Endes dafür entschieden, meine Geschäftsidee und meine Leidenschaft zu verfolgen und es – trotz wirklich guter Jobangebote nach dem Studium – Vollzeit zu probieren. Zu dem Zeitpunkt konnte ich noch nicht davon leben, deswegen haben mich meine Eltern unterstützt. Heute kann ich davon leben und bereue meine Entscheidung nicht.

3. Wie sieht deine Morgenroutine aus? 

Bei mir klingelt um 6:45 Uhr der Wecker. Bevor ich aufstehe, schaue ich mir meinen Kalender und meine To-Do-Listen an (in 3 verschiedenen Apps), um mich mental vorzubereiten und nichts zu vergessen.

– Trello (überwiegend für mich selbst zur Organisation von kleineren Aufgaben)

– ClickUp (benutze ich im Team, zur Organisation von Meilensteinen, Verantwortlichkeiten und Deadlines)

– iCalendar (Da habe ich alleine 5 verschiedene Kalender, die teils shared, teils privat sind)

Dann erst geht bei mir das Radio an und ich starte in den Tag. Nachdem ich mich fertig gemacht habe, versuche ich in Ruhe noch zu Hause zu frühstücken und einen Kaffee zu trinken, was leider jedoch meist nicht hin haut, sondern darin endet, dass ich mir den Kaffee in einen Thermobecher abfülle und mir ein Brötchen beim Bäcker auf dem Weg zum Co-Working-Space hole.

4. Was wolltest du als Kind werden? 

Meeresbiologin.

5. Wer oder was motiviert dich

Mein persönliches Umfeld motiviert mich ständig: Befreundete Gründerinnen und Gründer, von denen ich stets ehrliches Feedback bekomme, aber auch Familie und Freunde, die immer wieder ihre Zeit opfern und mir mit Rat und Tat zur Seite stehen.

6. Auf was könntest du nicht verzichten?

Zeit mit Freunden/Familie und Kaffee.

7. Was bringt dich auf die Palme? 

Unzuverlässigkeit.

8. Was war die größte Herausforderung auf deinem Weg? 

Den richtigen Mentor für mich und meine Geschäftsidee zu finden. Zu wissen, wen man jederzeit um fachlichen Rat bitten kann, ist unglaublich wertvoll und gibt einem ein Gefühl von Sicherheit. Gerade wenn man alleine gründet, ist es enorm wichtig, jemanden zu haben, der einem eine qualifizierte zweite Meinung bei wichtigen Entscheidungen geben kann.

9. Was rätst du anderen, die sich selbstständig machen wollen? 

Die wenige Freizeit, die man als Selbstständige/r zu Beginn hat, mit Menschen zu verbringen, die einem ein gutes Gefühl geben. Das sind motivierende Personen, andere Selbstständige, Freunde, die sich wirklich für dich und das, was du tust, interessieren und dich unterstützen!

10. Wo siehst du dich in 5 Jahren, wie geht es weiter bei dir? 

Ich sehe mich als Geschäftsführerin eines erfolgreichen Unternehmens mit einem harmonischen und leidenschaftlichen Team, das genauso viel Spaß an Vintage Produkten hat wie ich. Außerdem möchte ich erfolgreich Beruf und Familie vereint haben.

11. Ein typischer …-Satz: 

„Machen ist wie wollen, nur krasser.“

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