Ina im Jeanshemd vor einer grauen Wand

Ina ist 38 Jahre alt und lebt seit ihrem Studium in Hannover. Ursprünglich kommt sie aus dem Norden und ist ein echtes Küstenkind mit Seefahrer Genen. Das Reisen gehört zu ihren größten Leidenschaften, inzwischen am liebsten mit dem Dachzelt auf dem Auto.

Ina ist studierte Diplom Pädagogin (SP: Erwachsenenbildung/außerschulische Jugendbildung) und hat knapp 10 Jahre in der Berufsorientierung mit Jugendlichen gearbeitet. Seit 2020 begleitet sie mit Tatje Coaching Frauen dabei, ihre berufliche Klarheit zu finden, um ein selbstbestimmtes und unabhängiges Leben führen zu können.

1. Mit welcher Idee hast du dich selbstständig gemacht und was war deine Motivation?

In mir wuchs der Wunsch noch viel mehr in die Welt hinauszutragen, wir haben nur dieses eine Leben. Es ist zu schade über Jahrzehnte einer Tätigkeit nachzugehen, die mir kaum oder keine Freude bereitet und nur darauf zu warten, dass ich irgendwann in Rente gehe, in der Hoffnung dann endlich frei zu sein.

In meiner Zeit als Berufsberaterin in einer Gesamtschule konnte ich immer wieder miterleben, wie viel Angst Jugendliche haben sich für einen Berufsweg zu entscheiden. Sie denken, ihre Entscheidungen sind für immer und dass sie „die eine Sache“ finden müssen, die sie für immer machen werden. Zusätzlich erlebte ich in meiner täglichen Arbeit Eltern, die dieselben Gedanken wie ihre Kinder hatten. Ich sprach mit Erwachsenen, die unzufrieden mit ihrem Leben, vor allem mit ihrem Berufsleben waren und gar nicht auf den Gedanken kamen eigenständig und aus eigenem Antrieb daran etwas daran zu ändern. Das fand ich schon immer schade, da es doch so viele Möglichkeiten gibt!

2019 schloss ich eine nebenberufliche Ausbildung als „Coach für lösungs –und zielorientierte Beratung und Begleitung“ ab. Ursprünglich gedacht als Zusatzausbildung für meine Arbeit mit den Jugendlichen, doch während meiner Coachingausbildung verfestigte sich immer mehr das Thema berufliche Orientierung für Erwachsene, aber ich konnte es noch nicht richtig fassen.

Die Arbeit mit den Jugendlichen war schön, aber der Drang mit Erwachsenen zu arbeiten wurde immer größer. Tatje Coaching wurde geboren und seit 2020 begleite ich Frauen dabei, ihre berufliche Klarheit zu finden um ein selbstbestimmtes und unabhängiges Leben führen zu können.

2. Hast du auf Risiko oder Sicherheit gesetzt – also gleich Vollzeit oder zuerst Nebenerwerb? 

Ursprünglich war mein Plan, dass ich mir nebenberuflich mein Business aufbaue und dann meine Stunden reduziere, um zweigleisig zu fahren. Durch die Corona Pandemie hatte ich mehr Zeit nachzudenken als sonst und musste meine eigentlichen Offline Pläne auf Online umstellen. Ich hatte schon länger das Gefühl aus meinem Hauptjob raus gewachsen zu sein und mich zu langweilen. Durch ein Schlüsselerlebnis im Oktober 2020 entschied ich dann zu kündigen und 2021 All In zu gehen. Von meinen bisherigen Einnahmen könnte ich noch nicht leben. Wir werden sehen was passiert.

Ich versuche den Gründungszuschuss von der Agentur für Arbeit zu bekommen und vertraue darauf, dass es klappen wird. Ich habe schon mit wenig Zeit wirklich viel geschafft und wenn ich mich ganz meinem Business widmen kann, dann wird es sicherlich weitergehen. No risk, no fun. Falls nicht, dann wäre ich mir auch nicht zu schade einen anderen Brotjob zu suchen.

3. Wie sieht deine Morgenroutine aus?

Früher habe ich mich mega damit gestresst und dachte, dass ich unbedingt um 05.00 Uhr aufstehen muss um mich mindestens eine Stunde mit mir zu beschäftigen. Da bin ich inzwischen viel entspannter mit mir selbst und gehe intuitiv vor. Insgesamt stehe ich einfach nicht gerne früh auf, sondern gehe lieber spät ins Bett. Ich habe in meinem Job meine Anfangszeit geändert und stehe jetzt gegen 06. 30 Uhr auf. Meine Morgenroutine dauert so ca. 20-30 Min. In Ruhe einen Kaffee trinken, das 6-Minuten Tagebuch füllen oder das 6-Minuten Erfolgsjournal, manchmal ein bisschen journalen, manchmal meditieren, manchmal lesen. Ganz einfach nach Gefühl. Inzwischen liebe ich es diese knappe halbe Stunde für mich zu haben und mit nicht so viel Hektik in den Tag zu starten. Das sah nämlich mal ganz anders aus. Am Wochenende fällt es gerne auch mal länger aus oder ich bleibe einfach im Bett, trink einen Kaffee und genieße es, einfach nichts zu tun.

4. Was wolltest du als Kind werden?

In meiner Traumvorstellung wäre ich immer gerne Popstar geworden. Singen, tanzen und auf Tour sein stellte ich mir unfassbar cool vor. Als Jugendliche hätte ich auch VIVA und MTV Moderatorin sehr gut vorstellen können. Ich quatsche gerne, mochte mich schon immer mit Filmen, Serien, Stars, Biographien und auch Klatsch und Tratsch beschäftigen. Als Kind und Jugendliche mochte ich auch immer die Bühne und habe Theater gespielt, auf dem Abiball gesungen, war im Chor und habe einfach die Tanzflächen der Clubs als Bühne genutzt und gerne die Nacht zum Tage gemacht.

5. Wer oder was motiviert dich?

Ich motiviere mich im Regelfall selbst, da ich sehr neugierig bin, Dinge hinterfrage und einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn besitze. Wenn ich etwas als sinnfrei und zusätzlich ungerecht empfinde, dann treibt mich das an, daran etwas zu verändern und sei es nur im Kleinen. Die gesellschaftliche Rolle der Frau fand ich schon immer spannend und sehr hinterfragbar. Als junges Mädchen, die oft für einen Jungen gehalten wurde und sehr vorlaut war, habe ich mir erwachsene Frauen angeguckt und nicht verstanden, warum sie zu Hause alles machen müssen und die Männer „nichts“ tun. Es gab keine Vorbilder die nicht heirateten, Kinder bekamen und dann Hausfrauen wurden oder in Teilzeit arbeiteten. Persönlich empfand ich das immer als sehr langweilig und fragte mich, ob mein Leben auch mal so sein würde oder ob es da noch mehr gäbe. Im Studium hat mich dieses Thema in Soziologie weiter verfolgt und auch in meiner Arbeit mit den Jugendlichen war mir immer wichtig zu betonen, dass die klassischen Rollenzuschreibungen anerzogen und nicht biologisch sind.

Menschen zu helfen, ein Vorbild für junge Mädchen und Frauen zu sein motiviert mich. Es gibt aus meiner Sicht weiterhin zu wenige Frauenvorbilder, die ein sehr selbstbestimmtes und vielleicht auch unkonventionelles Leben leben und damit mehr als zufrieden sind. Ich möchte meinen Teil dazu beitragen an diesem Bild langfristig und nachhaltig etwas zu verändern.

Ich möchte ein Vorbild für junge Mädchen und Frauen sein, ihnen helfen und sie motivieren.

6. Auf was könntest du nicht verzichten?

Ich könnte nicht auf gutes Essen, meinen Partner, meine Freunde, laute Musik, tanzen und das Internet verzichten.

7. Was bringt dich auf die Palme?

Tatsächlich können mich einige Dinge so richtig auf die Palme bringen. Unser Bildungssystem ärgert mich an vielen Stellen, Beamtentum finde ich sehr hinterfragbar, wenn Eltern ihre Verantwortung abgeben und lieber die besten Freunde ihrer Kinder sein wollen, Menschen die sich sehr viel beschweren, aber nichts ändern, Diskriminierung, der nach wie vor vorherrschende Muttermythos in Deutschland und der Irrglaube, dass wir Feminismus nicht bräuchten.

Wir brauchen Feminismus!

8. Was war die größte Herausforderung auf deinem Weg?

Mein Burnout 2014 war schon eine große Herausforderung. Ich war gezwungen mich mit mir selbst auseinanderzusetzen und mein Leben zu verändern. Damals startete der Prozess, bei dem ich mich intensiv mit mir, meinen Wünschen, meinen Emotionen, meiner Vergangenheit und meinem gesamten Leben auseinandersetzen durfte.

Meine private Situation mit einer Patchworkfamilie war und ist auch eine Herausforderung. Mein Partner hat 3 Kinder und eine Ex-Frau. Dieses Gefüge habe ich völlig unterschätzt und was es uns als Paar abverlangen würde. Beides hat mich aber auch persönlich stark wachsen lassen und ich durfte sehr viel lernen, worüber ich im Nachhinein dankbar bin.

2020 nahm ich mir einen Businesscoach, weil ich merkte, dass ich Unterstützung brauche. Während des Coachings wurde mir klar, dass meine Zielgruppe definitiv Frauen sein sollen. Wir leben noch nicht in einer gleichberechtigten Welt und gerade beim Thema Beruf lässt sich das ganz klar erkennen. Frauen trauen sich grundsätzlich weniger zu, nehmen Rücksicht auf Care Arbeit und stellen ihre beruflichen Träume hinten an. So ist meine Mission hinter Tatje Coaching entstanden. Ich möchte Frauen dabei unterstützen ihren beruflichen Weg selbstbestimmt zu gehen, um ein freies und (vor allem!) unabhängiges Leben führen zu können. Meine Motivation ist es, einen Unterschied in der Welt zu machen, Frauen auf ihrem Weg zu begleiten und mich langfristig für Frauenbelange und Gleichberechtigung einzusetzen.

Ansonsten glaube ich, dass in Bezug auf meine Selbstständigkeit noch große Herausforderungen auf mich warten. Die erste große Herausforderung wird es sein, wirklich von Tatje Coaching leben zu können und mir meinen Traumarbeitsalltag zu erschaffen.

9. Was rätst du anderen, die sich selbstständig machen wollen?

Sucht euch auf jeden Fall einen Coach der euch unterstützt und eine Mastermind mit der ihr euch austauschen könnt. Nachdem ich die ersten 2000€ in mein Businesscoaching gesteckt hatte, fiel es mir leichter Geld auszugeben und mir für bestimmte Themen auch andere Coaches zu suchen. Nehmt an Online Veranstaltungen teil, wo ihr netzwerken könnt. Ein Netzwerk ist so unfassbar goldwert, weil man sich austauschen kann und auch auf neue Ideen kommt.

Habt Geduld mit euch. Übung macht den Meister und es wird nichts vom Himmel fallen, auch wenn es bei anderen so aussieht. Es ist okay wenn ihr mal zweifelt, es ist okay wenn ihr nicht sofort auf alle Fragen eine Antwort parat habt. Versucht euch nicht zu vergleichen, auch wenn es schwer fällt. Seid euch im Klaren darüber, dass ein Businessaufbau nicht funktioniert, wenn ihr nicht bereit seid, euch selbst und eure Schatten anzuschauen. Das eigene Business aufzubauen ist wirklich der Persönlichkeitsentwicklungs-Booster! Ständig darf man aus seiner Komfortzone, neue Dinge ausprobieren und sich neue erfinden. Das ist einerseits mega cool, anderseits auch manchmal anstrengend. Ich persönlich liebe es.

10. Wo siehst du dich in 5 Jahren, wie geht es weiter bei dir?

In 5 Jahren hat Tatje Coaching mehrere Produkte zum Thema „Berufliche Klarheit für Frauen“ entwickelt. Ich habe ein kleines Team aus Freelancern und einer oder zwei Festangestellten. Wir arbeiten Hand in Hand und auf Augenhöhe. Inzwischen darf ich auf Bühnen stehen und als Speakerin für Gleichberechtigung unterwegs sein. Ich spreche in Schulen, Unternehmen und auf anderen Events. Firmen buchen mich, damit ich Workshops zu verschiedenen Themen mit den Frauen im Unternehmen durchführe. Ich löse mich von der Selbstständigkeit und gehe Richtung Unternehmerin. Ich engagiere mich in einem sozialen Projekt für Mädchen und jungen Frauen mit Migrationshintergund.

11. Ein typischer Ina-Satz:

Ich habe typische Satzanfänge oder Wörter. „An vielen Stellen“, „Tatsächlich..“, „Otto Normalverbraucher“, „Nur weil man 10 Sit-Ups macht, hat man noch lange keinen Sixpack.“

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