Julia ist Weltenbummlerin und fühlt sich da zu Hause, wo ihr Laptop ist. So war sie das letzte Jahr am liebsten auf Bali und in Indien und hat nach ihrer Rückkehr in Berlin Fuß gefasst. Nach zehn Jahren in München sehnte sie sich nach etwas Neuem, wie auch in Sachen Berufsleben: Ihren Job als Marketingspezialistin im Konzern tauschte sie kurzerhand gegen die Selbstständigkeit und ein Leben als digitale Nomadin ein. Wenn ihr Laptop mal zu ist, singt sie gerne, spielt Gitarre, macht Yoga oder meditiert. Achja, und ohne einen leckeren Cappuccino mit Hafermilch geht übrigens gar nichts.

1. Mit welcher Idee hast du dich selbstständig gemacht und was war deine Motivation?

Im Februar 2018 war ich gerade beruflich in Barcelona, als plötzlich das Telefon klingelte und meine ehemalige Mitbewohnerin, Corinna Danner, fragte, ob ich nicht Lust hätte, ein Buch mit ihr zu schreiben. Das war – ihr werdet es nicht glauben – gerade mal zwei Wochen, nachdem ich mir gewünscht hatte, ein eigenes Buch zu veröffentlichen. Wo mir zwei Wochen später noch nicht mal eine konkrete Idee im Kopf schwirrte, gab es plötzlich sogar einen Namen: „ Das Glücksperiment “ sollte ein Buch zum Lesen, Ausfüllen und Mitmachen werden. Ein Buch, in dem wir all unsere kleinen Rettungsringe niederschreiben wollten, die uns durch eine schwere Zeit geholfen hatten. Die Intention dahinter war von Anfang an klar: Was uns durch Angstzustände, Trauer und Hilflosigkeit geholfen hat, muss doch auch anderen Menschen ein erfüllteres Leben voller Glück bescheren! Nach vielen tausend verkauften Büchern und unzähligen E-Mails wissen wir: Das ist uns mehr als gelungen!

Bei mir war das mit der Selbstständigkeit ein schleichender Prozess. Das Buch habe ich teilweise während einer längeren Auszeit in Indonesien geschrieben. Andere Teile davon sind entstanden, während ich mit einem Bein aus meinem Angestelltenverhältnis im Konzern ausgeschieden war und mit dem anderen Bein schon einen Teilzeitjob als virtuelle Social Media Managerin angenommen hatte. Natürlich ist es etwas anderes, ob du plötzlich nur noch bei einer kleinen Firma arbeitest und gerade mal ein Fünftel deines bisherigen Gehalts verdienst und dir klar ist, dass du ganz schnell selbst etwas auf die Beine stellen musst, wenn du deinen Lebensstandard behalten möchtest.

Doch was du trotz der Unsicherheit gewinnst ist für mich viel wertvoller als Geld: Die Freiheit, jeden Tag das zu tun was ich liebe. Und zwar WO ich will und WANN ich will. Mittlerweile arbeite ich zu 100% selbstständig an meinem eigenen Startup, das Jugendliche in ihrer persönlichen Entwicklung stärken soll. Außerdem schreibe ich derzeit mein zweites Buch, das dieses Mal in eine ganz andere Richtung geht. Den nötigen Lebensunterhalt verdiene ich mir derzeit als Virtuelle Assistenz und Marketingmanagerin.

Ein großes Hobby, das ich, wann immer ich Zeit habe, betreibe, ist mein Blog Blankpaperstories.de. Seit letztem Sommer habe ich auch einen Podcast begonnen, den man unter dem Namen „Blank Paper Stories“ auf Spotify und Apple Podcast findet.

2. Falls Nebenerwerb, konntest du bereits in den Vollerwerb wechseln und wie lange hat es gedauert bis du davon Leben konntest?

Ganz ehrlich? Momentan reicht es noch nicht, um davon zu leben. Meine Rechnung ging auf, als ich geplant hatte, auf Bali zu leben. Denn dort reichen 800 Euro Verdienst. Für mein neues Projekt ist es aber wichtig, in Deutschland zu sein. Daher wurde aus dem geplanten Jahr eine kurze Auszeit von drei Monaten. Doch bei meinem Vorhaben ging es mir noch nie ums Geld: Ich möchte mich verwirklichen. Ich möchte einer Arbeit nachgehen, die Sinn macht, anderen Menschen zu mehr Glück verhilft und vor allem Jugendliche unterstützt und sie stark macht. Denn in einer Zeit wo sich Depressionsfälle, Mobbing und Druck häufen, braucht es auch Leute, die aufstehen und sich dafür einsetzen, dass jungen Menschen nicht der Mut ausgeht.

3. Wie sieht deine Morgenroutine aus?

Meine Morgenroutine verfolge ich mal mehr und mal weniger diszipliniert. Die letzten Wochen bin ich so in Arbeit versunken, dass ich den Laptop direkt nach dem Aufstehen sofort wieder geöffnet habe. Dass sowas nicht lange gut geht, kann sich jeder sicherlich denken. Deshalb bin ich glücklicherweise wieder zu meiner alten Morgenroutine zurückgekehrt, die ich doch seit fast einem Jahr erfolgreich durchgezogen habe: Nach dem Aufstehen trinke ich sofort ein großes Glas Wasser mit einem Spritzer Zitrone. Dann mache ich je nach Gefühl zwischen 30 und 60 Minuten Yoga. Als ausgebildete Yogalehrerin muss ich dazu zum Glück nicht mal das Haus verlassen oder auf die vielen tollen YouTube-Videos zurückgreifen. Meine Yogapraxis schließe ich damit ab, zu einem richtigen Gute-Laune-Lied zu tanzen. Einen Song lang alles rauslassen und so richtig aufdrehen! Das ist die optimale Vorbereitung, um anschließend für ein paar Minuten in die Meditation zu gehen. So kommt der Geist zur Ruhe. Danach mache ich mir immer einen leckeren Porridge mit Früchten, Erdnussmus und natürlich einen leckeren Kaffee. Während des Frühstücks fülle ich jeden Tag unser eigenes Buch „Das Glücksperiment“ aus, weil ich damit optimal meine Intentionen für den Tag setzen kann, Ziele definiere, aufschreibe, wofür ich dankbar bin und wertvolle Impulse mitbekomme. 

4. Was wolltest du als Kind werden?

In einem Wort? Eine Rampensau! 😀 Nein wirklich, ich war seit der Grundschule im Theater, im Chor, in der Schülerband, hab Hauptrollen in Musicals übernommen und fand es schon immer spannend, ein Publikum zu begeistern. Vielleicht möchte ich mich deshalb auch heute wieder mehr in diese Richtung entwickeln.

5. Wer oder was motiviert dich?

Mein größter Motivator war bisher Christian Bischoff. Von ihm habe ich so viel gelernt und mitgenommen, dass ich für den Rest meines Lebens dankbar sein werde. Er hat mir damals aus der größten Angst herausgeholfen, mir Mut gemacht und auch die Intention, ein Buch zu schreiben, habe ich auf einem seiner Seminare gesetzt. Zu sehen, wie ein einzelner Mensch das Leben von tausenden Menschen so nachhaltig und positiv verändern kann, motiviert mich jeden Tag. Er ist mein größtes Vorbild und die größte Motivation, andere Menschen stark zu machen und ihnen ihr ganzes Potential aufzuzeigen.

6. Auf was könntest du nicht verzichten?

Auf Musik. Für mich gibt es nichts, was mich glücklicher macht. Du kannst mir gerne alles wegnehmen, aber die Gitarre, die mein Papa für mich gebaut hat, ist mit Abstand, das wertvollste, das ich habe. Alleine ein paar Lieder zu spielen und zu singen, erfüllt mich mit so einem tiefen Glück und Dankbarkeit, dass ich nichts anderes mehr brauche.

7. Was bringt dich auf die Palme?

Essgeräusche! Wie nennt man das gleich noch mal? Misophon? Ich brodle innerlich wirklich fast über, wenn jemand in meiner Nähe einen Apfel, Karotten oder etwas anderes isst. Oder laut trinkt. Aaaah, da geht der größte Yogi in mir leider verloren. Einatmen, Ausatmen. Das geht sogar so weit, dass ich selber kaum Äpfel oder Ähnliches esse. Bin ich jetzt verrückt?

8. Was war die größte Herausforderung auf deinem Weg?

Wenn du aus der Norm ausbrichst und einen sehr gut bezahlten Job mit der größten Sicherheit einfach aufgibst, findet das nicht jeder gut. So war es bei mir ein regelrechter Kampf, mich gegen die vielen (gut gemeinten) Ratschläge durchzukämpfen und auf mich selbst zu hören. Du kannst dir nicht vorstellen, wie viele endlose Telefonate ich geführt habe, wie oft ich diskutiert habe und durch wie viel Pro- und Contralisten ich mich lesen musste, die völlig ungefragt in meinem Postfach landeten. Daraus habe ich für mich allerdings einige wichtige Lehren ziehen können: 1. Solche Ratschläge kommen nie aus Böswilligkeit zu dir, sondern sie werden meistens mit einer liebevollen Intention gegeben. 2. Menschen neigen dazu, ihre eigenen Ängste auf dich zu projizieren. 3. Ratschläge sind gut, wenn sie von Menschen kommen, die dort sind, wo du hin möchtest.

Und ganz wichtig: Am Ende kommt es darauf an, auf dich zu hören und deine Intention. Was macht DICH glücklich? Was ist DEIN Weg? Wenn du dein „Warum“ kennst, ist das „Wie“ erst mal egal. Wenn du dein „Warum“ kennst und dafür ein paar Menschen enttäuschen musst, auf Unverständnis oder wie in meinem Fall sogar heftigen Gegenwind stößt, dann ist es das auf jeden Fall wert!

Ratschläge sind gut, wenn sie von Menschen kommen, die dort sind, wo du hinmöchtest

9. Was rätst du anderen, die sich selbstständig machen wollen?

Selbstständig heißt „Selbst“ und „Ständig“. Wer mir auf Instagram folgt, hat es vielleicht schon mitbekommen: Ich arbeite Tag und Nacht. Für mich ist das okay, denn was ich mache, ist mein Herzblut und es macht mir unglaublich viel Spaß. Doch würde ich mein „Warum“ nicht kennen und wäre meine Motivation Geld, hätte ich vermutlich bereits aufgegeben. Denn obwohl ich oft Tage und Nächte vor dem Laptop verbringe, verdiene ich aktuell kaum Geld mit dem, was ich mache. Ich habe einen Traum, für den ich jeden Tag aufstehe und keiner garantiert mir, dass es am Ende klappen wird. Deine Motivation muss also eine andere sein, als Geld. Denn bis Geld reinkommt, kann es manchmal sehr lange dauern und der Weg dorthin ist viel arbeitsintensiver, als du dir vielleicht am Anfang vorstellen magst. Ein weiterer Tipp: Gib nicht auf. Viele Menschen geben bei 90% auf und wissen es gar nicht. Wäre doch schade, oder?

10. Wo siehst du dich in 5 Jahren, wie geht es weiter bei dir?

In fünf Jahren möchte ich mit meinem Bruder tausenden Jugendlichen geholfen haben, zur besten Version ihrer selbst zu werden. Wir haben eine Schultour hinter uns, ein großes Netzwerk und stehen Deutschlandweit für das Thema Persönlichkeitsentwicklung für Jugendliche. Privat möchte ich ein Zuhause finden. Ich bin mein Leben lang umgezogen und hatte ständig Hummeln im Hintern. Jetzt heißt es für mich Ankommen, die Liebe meines Lebens finden und mir irgendwo mein gemütliches Nest bauen. In fünf Jahren habe ich hoffentlich genug dazu beigetragen, dass meine eigenen Kinder mal in einer positiven, bestärkenden Gesellschaft aufwachsen können.

11. Ein typischer …-Satz:

Nur wenn du groß träumst, kannst du auch Großes erreichen. Oder wie es meine ehemalige Kollegin, zu der ich immer noch sehr aufschaue, sagt: „Groß denken, klein wird’s von alleine.“

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Titelbild: (c) Benjamin Diedering